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Mit einem deutlichen Sieg ging der Ryder Cup an Europa

Ryder Cup 2018 oder das Spektakel von Paris — Teil 3: Europa im Rausch

Judgement Day im Le Golf National

Bevor man sich ver­sieht ist es auch schon Sonn­tag. Der letz­te Tag des Ryder Cup wird eine Ent­schei­dung brin­gen, so oder so. Wäh­rend die Ame­ri­ka­ner auf ein Wun­der hof­fen, müs­sen die Euro­pä­er ihren Vor­sprung nur noch ins Ziel ret­ten. Wie schon an den Tagen zuvor scheint die Son­ne im Le Golf Natio­nal und die Stim­mung ist 1A. Ich habe es in mei­nem Spot­light in der Golf Week bereits erwähnt, aber ich tue es ger­ne noch ein­mal. Das ist Wer­bung für den Golf­sport. Lei­der dau­ert die­se nur 3 vol­le Tage und es geschieht wie­der­um nur alle 4 Jah­re in Euro­pa. Dabei könn­te es so ein­fach sein, den Zuschau­ern Golf im Fern­se­hen etwas schmack­haf­ter zu machen. Alles was über das nor­ma­le, oft drö­ge wir­ken­de Ein­zel Zähl­spiel hin­aus­geht, bie­tet eine will­kom­me­ne Abwechs­lung für den Mann auf der Couch.

Nach­dem sich die Fans in Stim­mung gebracht haben, beginnt kurz nach Mit­tag die Sin­gles-Ses­si­on. Aus den 12 Matches brau­chen die Ame­ri­ka­ner 8 Punk­te, um den Cup zu ver­tei­di­gen. Das sind 2/3 der Matches und das ist, auch wenn es kei­ner glau­ben mag, durch­aus mach­bar. Die Fra­ge ist nur, ob die Amis über­haupt noch Lust dar­auf haben. Schon die ers­te Par­tie ver­spricht jede Men­ge Bri­sanz. In der Regel tref­fen in Match 1 die bes­ten Spie­ler der jewei­li­gen Teams auf­ein­an­der. Es gilt eine frü­he Duft­mar­ke zu set­zen und dem Rest der Mann­schaft den rich­ti­gen Impuls zu geben. Daher kommt es auch wenig über­ra­schend, dass die USA mit Jus­tin Tho­mas den bes­ten Ame­ri­ka­ner der Woche auf­bie­tet. 3 Punk­te aus 4 Par­ti­en mit Spezl Jor­dan Spieth hat er schon auf dem Kon­to und – ob Roo­kie hin oder her – Jus­tin Tho­mas ist heiß! Dar­um mache ich mir auch etwas Sor­gen um sei­nen Geg­ner Rory McIlroy. Die bis­he­ri­ge Vor­stel­lung von Rors in Paris glich einer Ach­ter­bahn­fahrt und ich hof­fe, dass der Nord­ire sein Spiel gegen Tho­mas zusam­men hal­ten kann.

Jt verleiht seinem Team Flügel

Die Par­tie ver­läuft extrem span­nend, gera­de weil bei­de Kon­tra­hen­ten eine Viel­zahl an Top­chan­cen aus­las­sen, um den Sack zuzu­ma­chen. All squa­re geht es an die 18, was in die­ser Woche höchst sel­ten der Fall war. Justin Tho­mas hat die Ehre und kloppt einen 300 Meter Dri­ve auf die Bahn, dass einem Hören und Sehen ver­geht. Er liegt in Prime Posi­ti­on, Rory ist gefragt. Holz 3 vom Tee klingt ver­nünf­tig, lan­det wenig spä­ter aber mit Spie­gelei­la­ge im Fair­way Bun­ker, Vor­teil Tho­mas. Gro­ßer Vor­teil Tho­mas heißt es dann nach­dem Rory nach Schlag Num­mer 2 immer noch im Bun­ker liegt und den drit­ten im Was­ser ver­senkt. Danach ist das Match eigent­lich geges­sen. Jus­tin Tho­mas muss sei­ne Annä­he­rung nur noch aufs Grün legen, tut dies und nimmt die Gra­tu­la­ti­on von Rory ent­ge­gen. USA 1, Euro­pa 0 und ein denk­bar schlech­ter Start für die Gast­ge­ber.

Finau dreht total ab

Das Momen­tum liegt bei den USA, die auch in den wei­te­ren frü­hen Matches plötz­lich vor­ne lie­gen. Brooks Koep­ka führt gegen Paul Casey, Webb Simp­son über­ra­schend deut­lich gegen Jus­tin Rose, Jon Rahm gegen Tiger ist gefähr­lich geteilt und danach kommt die dicks­te Über­ra­schung. In Match 5, in dem Tom­my Fleet­wood gegen Tony Fin­au eigent­lich sicher punk­ten soll­te, steht die Ryder Cup Welt auf dem Kopf. 5up heißt es nach der 9, aber nicht für Fleet­wood, son­dern für „“ich­ha­be­heu­tekei­nen­bock­auf­dich­tom­my“ Tony Fin­au. Es ist unglaub­lich was Fin­au da spielt, in Zah­len: 6 unter Par nach 14 Loch. Mehr wer­den es auch nicht, da das Match mit 6&4 für Tony endet, der Tom­my Fleet­wood im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes die wehen­den Haa­re gestutzt hat. Das Lea­der­board ist vor­ne fast kom­plett rot, da jetzt auch noch Dus­tin John­son gegen Ian Pou­ter führt. Die Amis haben zu einer Char­ge (Auf­hol­jagd) ange­setzt.

Ich rech­ne mir aus, dass die ers­ten 6 Par­ti­en an die Amis gehen, wenn es ganz blöd läuft und den­ke mir nur: „Die wer­den doch nicht etwa?“ Die Anspan­nung ist zu spü­ren und ich wer­de etwas ner­vös. Die Tat­sa­che, dass Jim Furyk vor­ne sei­ne bes­ten Spie­ler auf­ge­stellt hat und sei­ne Gur­ken aber nicht aus­set­zen las­sen kann, bringt mir wie­der etwas Ruhe. Das und ein Bier, wel­ches ich mir nun geneh­mi­ge. Prost! Ein Kol­le­ge von Golf Punk, der eher als ruhi­ger Zeit­ge­nos­se gilt, zap­pelt vor mir ner­vös auf sei­nem Stuhl her­um und hat wenig spä­ter auch „ne Flasch“ in der Hand. Und als wir da so sit­zen und fach­sim­peln, was da noch alles schief­ge­hen kann, kommt er, der berühm­te Momen­tum-Swing.

Europa kommt in Fahrt

Erst teilt ein sen­sa­tio­nell kämp­fen­der Paul Casey sein Match mit Brooks Koep­ka. Pauls Bir­die zum Aus­gleich an der wirk­lich sack­schwe­ren 17 ist eines der High­lights des Tages.

Auch Ian Poul­ter hat lang­sam genug von sei­nem Kon­tra­hen­ten und begibt sich ab der 13 in Ryder Cup-Mode. Es ist ein unfass­bar gei­les Match. Poults spielt wie ent­fes­selt und haut sich der­ma­ßen oft auf die Brust, dass man Angst hat, ob er 18 Loch durch­hal­ten wird. Dus­tin John­son hin­ge­gen locht see­len­ru­hig ein paar Putts, die in einem ande­ren Post­leit­zah­len­ge­biet lie­gen und befreit sich so ein ums ande­re Mal aus der Umklam­me­rung. Aber auch dass DJ an der 16, anstatt das Match zu ver­lie­ren, noch ein­mal einen Mons­ter­putt stopft macht Ian Poul­ter nichts aus. Er ist voll im Tun­nel und macht das Match an der 18 im Sti­le eines Cham­pi­ons zu.

Und dann gibt es ja da noch den euro­päi­schen Tony Fin­au des Tages – Thorb­jørn Ole­sen. Der Däne hat­te bis zu sei­nem Duell mit Jor­dan Spieth nur ein Match an der Sei­te von Rory McIlroy absol­viert und die­ses ver­lo­ren. Danach wur­de er von sei­nem Lands­mann auf die Bank gesetzt und zeig­te nun, wohl auch mit etwas Wut im Bauch, zu was er fähig ist. Nach 9 Bah­nen steht es 5up und zwar nicht für Favo­rit Jor­dan Spieth, son­dern für Mr. „ich­hab­heu­tekei­nen­bock­auf­dich­jor­dan“ Thorb­jørn Ole­sen. Auch die­se Par­tie endet nach der 14, aber mit einem dicken Über­ra­schungs­punkt für Team Euro­pe. Hut ab, Mr. Ole­sen.

Rahm liefert endlich ab

Mit 12 ½ Punk­ten auf dem Kon­to ist der Sieg für Euro­pa auf ein­mal zum Grei­fen nah. Und da Hen­rik Sten­son in der vor­letz­ten Par­tie einen kläg­lich agie­ren­den Bub­ba Wat­son zu Klein­holz ver­ar­bei­tet (5up nach 12) eigent­lich schon so gut wie im Kas­ten. Die Fra­ge war nun, wer den ent­schei­den­den Punkt holt. Der bis­her etwas zu ner­vös agie­ren­de Jon Rahm (0 Punk­te aus 2 Par­ti­en) gibt im Match gegen Tiger Woods sein letz­tes Hemd. Die Span­nung erreicht ihren Höhe­punkt, vor allem weil Rahm ein ums ande­re Mal sei­ne Chan­cen nicht nutzt. Dann aber kommt er, der wich­tigs­te und bestimmt bes­te Dri­ve sei­nes Lebens und das auf Bahn 17. Über 300 Meter fliegt und rollt die Kugel das enge Fair­way hin­un­ter. Es folgt ein Sand­weg­de an den Stock, der erlö­sen­de Putt zum Sieg und damit das nächs­te High­light des Tages. Nach­dem der Ball im Loch ver­schwin­det geht Jon Rahm so rich­tig ab, und die Zuschau­er gleich hin­ter­her. Ohren betö­ren­der Jubel schallt über den Platz von Le Golf Natio­nal und wer den Spa­ni­er hier sieht, kann sich unge­fähr den­ken, was ihm die­ser Punkt bedeu­tet.

Frankie seals the Deal, Sergio mit Rekord

13 ½ Zäh­ler im Kas­ten, aber wer macht den Sack jetzt zu? Irgend­wie ist es dann pas­send, dass es Fran­ces­co Moli­na­ri trifft. Mit dem Sieg in sei­ner Par­tie gegen Phil Mickel­son holt der bes­te Spie­ler der Woche (5–0) den Ryder Cup zurück nach Euro­pa. Und irgend­wie ist es auch pas­send, dass Phil Mickel­son die­sen mit einem noch nie da gewe­sen Ereig­nis been­det. Mit Moli­na­ri 3up geht es für bei­de an die 16, ein Par 3 mit schön viel Was­ser vor dem Grün. Fran­kie trifft das Grün, „Phil­ly Mick“ legt sei­nen Abschlag im Was­ser ab und gibt dem Ita­lie­ner anschlie­ßend die Hand. Der Ryder Cup ist ent­schie­den.

Nun kann die Par­ty begin­nen, der Jubel über den Titel ist auf dem gan­zen Platz zu hören. Fre­ne­ti­sche Fans aller Natio­na­li­tä­ten, außer der USA, fei­ern ihre Hel­den. Wenig spä­ter ist Sten­son im Ziel und fast zeit­gleich kommt der gro­ße Moment von Ser­gio Gar­cia. Er gewinnt sein Match gegen Rickie Fow­ler und ist nun mit sagen­haf­ten 25 ½ Punk­ten der bes­te Ryder Cup Punk­te­samm­ler der Geschich­te. Wer hät­te das am Anfang der Woche gedacht? Wohl nicht ein­mal Ser­gio, der nach die­sem Mei­len­stein sicht­lich ergrif­fen ist.

Da kommt noch was

Der Ryder Cup endet mit einem Ergeb­nis von 17 ½ zu 10 ½ für Euro­pa. Erwähnt sei­en hier noch kurz die Resul­ta­te der letz­ten Matches. Patrick Reed konn­te auf ein­mal Golf spie­len und gewann gegen Tyr­rell Hat­ton 3&2. Alex Noren setz­te mit einem geloch­ten Mons­ter­putt an der 18 den gol­de­nen Schluss­punkt der Matches. Er gewann 1up gegen Bry­son DeCh­am­beau.

Stim­men zum Ryder Cup und was sich noch am sel­ben Abend alles ereig­nen soll­te, gibt es in Teil 4 – dem After­math.